Im Fokus: „Kritische Sozialpsychologie in Wirtschaft und Gesellschaft“ von Rudolf O. Zucha

In seinem neuesten Buch Kritische Sozialpsychologie in Wirtschaft und Gesellschaft setzt sich Rudolf O. Zucha mit verschiedenen Themen auseinander. In der Einleitung (S. 8-9) beschreibt er das wie folgt:

„Die kritische, der Aufklärung verpflichtete Sozialpsychologie in Wirtschaft und Gesellschaft ist für uns nicht eine akademische Wissenschaft, die sich ‚im Elfenbeinturm‘ einschließt. Sie hat die Aufgabe, den gegenwärtigen ‚Zeitgeist‘ zu hinterfragen, der im Verständnis der Massenmedien als ‚Mainstream‘ zum Ausdruck kommt.
Die Sozialpsychologie ist per definitionem zwar jene wissenschaftliche Disziplin im Bereich der Sozial- und Humanwissenschaften, welche das Erleben und Verhalten der Menschen als soziale Wesen, die sozialen Interaktionen zwischen den Individuen, der Gruppe und der Gesellschaft zum Gegenstand hat. Als empirische und/oder hermeneutische sowie emanzipatorische Wissenschaft besteht ihre Vorgangsweise in Beobachtung, Hypothesenbildung, experimenteller Überprüfung, Thesenbildung und/oder Einfühlung, Verstehen, Interpretation sowie aufklärerischem Engagement (dabei gilt als Prinzip, dass die Entscheidung über die Methode gegenstandsadäquat sein muss).
Doch als angewandte Wissenschaft hat die kritische Sozialpsychologie die Aufgabe, bei der Lösung einer Reihe sozialer Probleme, die sich aus den zwischenmenschlichen Beziehungen ergeben, entscheidend mitzuhelfen.
Die in den letzten Jahren verfassten Aufsätze der vorliegenden Sammlung sind alle in sich geschlossen und können daher voneinander unabhängig gelesen werden. Sie sollen der wissenschaftlichen Erkenntnis, aber auch als Anleitungen zum praktischen Handeln dienen.

Dieses Buch ist eine Fundgrube für alle, die gesellschaftspolitisch und historisch interessiert sind. Die unterschiedlichen, in sich geschlossenen Aufsätze bieten eine Fülle von Informationen und weisen auf das umfassende Wissen des Autors hin. Die zahlreichen Querverweise auf Literatur und aktuelle Zeitgeschichte zeichnen dieses Buch auch als Nachschlagwerk aus. Rudolf O. Zucha blickt auf eine erfolgreiche berufliche Karriere zurück, die durch zahlreiche persönlichen Begegnungen mit Größen wie Paul Watzlawick gekrönt wurde. Er versteht es einen profunden Überblick über die Entwicklung der Psychologie und Psychotherapie zu geben ohne dabei auf eine kritische Auseinandersetzung mit den einzelnen Schulen zu verzichten.
In dem Aufsatz „Mobbing – die leise Gewalt“ gibt der Autor ein politisches Statement ab, das bis heute nicht an Aktualität verloren hat. In der Zusammenschau aller Artikel wird deutlich, dass Rudolf Zucha ein Meister seines Faches ist: Sprachlich eloquent, fachlich versiert, politisch engagiert und der kritischen Aufklärung verpflichtet! Ein lesenswertes Buch, das ich nicht nur Psychologinnen und Psychologen, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sondern auch Studierenden empfehlen kann.

Dr.in Belinda Mikosz, Vorsitzende des Verein für Psychologie, Pädagogik und Psychotherapie im BSA


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