Wie KI unser Leben verändert und wer davon wirklich profitiert

Pamina Pammer, Axel Polleres, Ursula Rosenbichler und Markus Schmid

Unsere Gäste diskutierten dabei den Nutzen von KI im Alltag, aber auch die Herausforderungen und Gefahren, die sich durch die Abhängigkeiten von KI-Anbietern ergeben.

Univ-Prof Axel Polleres verwies darüberhinaus in seinem Impulsvortrag auf folgende Aspekte:

… Die Erstellung eines Prüfungsbeispiels für den Bereich der Schulmathematik mit fünf Antwortmöglichkeiten, von denen lediglich zwei korrekt sind, verdeutlicht eine signifikante Schwachstelle aktueller KI-Systeme. Obwohl eine solche Aufgabenstellung logisch nicht lösbar ist, generieren die Modelle dennoch fehlerhafte Antworten. Diese Unvorhersehbarkeit der Fehlerquellen, die sich grundlegend von menschlichen Fehlleistungen unterscheiden, stellt ein fundamentales Problem dar, für das bislang keine zufriedenstellende Lösung existiert.

… Ein weiterer kritischer Aspekt ist das Lernen durch Konditionierung. Modelle, die außerhalb Europas entwickelt wurden, unterliegen den spezifischen Vorgaben ihrer jeweiligen Organisationen, was deren Antwortverhalten maßgeblich beeinflusst. Das Modell „DeepSeek“ beispielsweise demonstriert, wie durch Konditionierung gezielt bestimmte Themen ausgeblendet werden können. Zudem verfolgen kommerzielle Anbieter wie OpenAI oder Google das Ziel, Nutzer durch ihre Geschäftsmodelle – etwa durch Werbung oder die Maximierung der Verweildauer – möglichst lange an die Plattform zu binden. Dies fördert das Phänomen der „Digital Distraction“, welches über Chatbots hinaus auch soziale Medien betrifft und die Konzentrationsfähigkeit nachhaltig beeinträchtigt.

… Wissenschaftliche Untersuchungen, unter anderem von Gerd Gigerenzer, belegen, dass der Einsatz privater Endgeräte im Bildungsbereich keine positiven Lerneffekte erzielt, da die Ablenkungsgefahr die kognitive Leistung um bis zu 25 Prozent mindern kann. Besorgniserregend ist zudem die Verschiebung der Hauptnutzung von KI: Während 2024 die Ideengenerierung im Vordergrund stand, dominiert 2025 der Bereich „Therapy and Companionship“. Die Substitution zwischenmenschlicher oder therapeutischer Interaktionen durch KI-Modelle, die selbst von kommerziellen Interessen und inhärenten Biases geprägt sind, ist kritisch zu hinterfragen. Ebenso problematisch ist das „De-Skilling Paradox“, bei dem die Übertragung kognitiver Aufgaben an KI-Systeme zu einem Rückgang individueller Kompetenzen führt.

… Diese Entwicklungen wurden bereits in der Literatur des 20. Jahrhunderts, etwa durch Aldous Huxley, antizipiert. In der aktuellen Forschung liegt der Fokus daher auf der Entwicklung robusterer KI-Infrastrukturen. Ein österreichischer Forschungsverbund (“Bilateral AI”), bestehend aus der TU Wien, der JKU Linz, der TU Graz, der WU Wien dem ISTA und der Universität Klagenfurt, arbeitet an der Kombination deterministischer Algorithmen mit kreativen KI-Ansätzen, um verlässliche und vorurteilsfreie Ergebnisse zu gewährleisten. 

… Parallel dazu widmet sich der „Digitale Humanismus“ der interdisziplinären Untersuchung gesellschaftlicher Auswirkungen, um die Abhängigkeit von externen Technologien zu verringern und eine eigenständige europäische KI-Forschung zu etablieren.

Genaueres kann auf der Homepage von Axel Polleres nachgelesen werden: 

Was kann Künstliche Intelligenz (noch) (nicht)?

DIGITAL HUMANISM

Axel Polleres ist als Professor für “Data and Knowledge Engineering” seit 2013 an der WU Wien tätig. Davor war er unter anderem bei Siemens sowie bei verschiedenen Forschungsinstitutionen in Spanien, Irland, Chile und in den USA als Forscher und Gastprofessor tätig. Er hat an der TU Wien promoviert und habilitiert, und forscht zu Grundlagen und Anwendungen Künstlicher Intelligenz, sowie zu Datenmanagement und Webtechnologien.

Pamina Pammer ist Frauensprecherin und Social Media Managerin bei der Sozialistischen Jugend Niederösterreich. Sie studiert Politikwissenschaft an der Uni Wien und hat 2025 am Bundesgymnasium Babenbergerring maturiert.

Ursula Rosenbichler leitet die Austrian School of Government (ASG), eine zentrale Schnittstellenorganisation im Spannungsfeld nationaler und internationaler Verwaltungen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie der Öffentlichkeit. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich insbesondere mit den aktuellen Transformationsdynamiken der öffentlichen Verwaltung und den daraus entstehenden Gestaltungsanforderungen.

Markus J. Schmid ist stellvertretender Referatsleiter des Referats IKT Steuerung der Direktion 6 IKT & Cyber im österreichischen Bundesheer. Derzeit promoviert er an der Uni Wien im Fachbereich „Interdisziplinary Legal Studies“ an der Schnittstelle zwischen IT-Recht, praktische Philosophie und militärischem KnowHow mit dem Forschungsfokus auf digitale Souveränität und gesamtstaatlicher Sicherheit.


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