Am 7. Oktober 2026 lud der BSA Bezirksklub Döbling zu einem Gesprächsabend über den internationalen Aufstieg rechtspopulistischer, nationalistischer und radikal rechter Kräfte ein. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie diese Entwicklungen die Demokratie in den USA und Europa unter Druck setzen und welche Rolle transnationale Netzwerke dabei spielen.
Zu Gast war Dr. Thomas Greven, Sozialwissenschaftler, Politikberater und Privatdozent für Politikwissenschaft am John F. Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin. Als ehemaliger Mitarbeiter von Bernie Sanders im US-Kongress und Autor des Buches „Das internationale Netz der radikalen Rechten“ brachte er seine wissenschaftliche Expertise und seine Erfahrungen aus der US-amerikanischen Politik in die Diskussion ein.
Zu Beginn wurde beleuchtet, welche Verbindungen zwischen rechtspopulistischen, rechtsextremen und radikalisierten konservativen Akteur:innen in den USA und Europa bestehen. Dabei wurde deutlich, dass der Aufstieg der radikalen Rechten nicht ausschließlich innerhalb nationaler Grenzen betrachtet werden kann. Vielmehr existieren internationale Netzwerke, die politische Strategien, ideologische Positionen und Kommunikationsformen austauschen und gemeinsam verbreiten.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dieser Entwicklung. Insbesondere die sozialen Verwerfungen der ökonomischen Globalisierung und die damit verbundenen politischen Spannungen bieten Anknüpfungspunkte für rechtspopulistische und nationalistische Bewegungen. Greven analysierte, wie diese Akteur:innen soziale Unsicherheiten aufgreifen und für ihre politischen Ziele nutzen.
Besonders intensiv diskutiert wurde die Verbreitung gemeinsamer ideologischer Erzählungen. Dazu zählen Vorstellungen eines vermeintlich „richtigen Volkes“, Forderungen nach erzwungener „Remigration“ und die Mobilisierung gegen angeblich mächtige Eliten. Auch Verschwörungsmythen wie jener vom „Großen Austausch“ wurden im Zusammenhang mit ihrer Verbreitung in transatlantischen und europäischen Netzwerken thematisiert.
Darüber hinaus ging es um die politischen Kommunikationsstrategien der radikalen Rechten. Greven zeigte auf, wie durch gezielte und technisch ausgefeilte Kommunikation die Grenzen des gesellschaftlich Sagbaren und politisch Machbaren verschoben werden können. Dabei wurde auch die Rolle radikalisierter konservativer Kräfte diskutiert, die zunehmend Rhetorik und politische Positionen der radikalen Rechten übernehmen.
Abschließend stand die Frage im Mittelpunkt, wie demokratische Kräfte auf diese internationale Vernetzung reagieren können. Dabei wurde insbesondere die Bedeutung einer stärkeren Zusammenarbeit über nationale Grenzen hinweg hervorgehoben. Demokratische Parteien, Initiativen und zivilgesellschaftliche Akteur:innen müssen sich ebenfalls international vernetzen, Erfahrungen austauschen und gemeinsame Strategien entwickeln.
