Rechtsextremismus in Österreich: Was kann man gegen die schleichende Normalisierung tun?

Am 1. Oktober 2026 lud der BSA Bezirksklub Döbling zu einem Gesprächsabend über eine der drängendsten Herausforderungen für die Demokratie: den zunehmenden Rechtsextremismus in Österreich und die schleichende Normalisierung rechtsextremer Ideologien, Positionen und Akteur:innen.

Zu Gast war MMag. Dr. Bernhard Weidinger, Politikwissenschaftler und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW), der sich in seiner Forschung insbesondere mit Rechtsextremismus in Österreich und im internationalen Vergleich, völkischem Nationalismus und der extremen Rechten beschäftigt. Im Mittelpunkt des Abends stand das neu erschienene „Handbuch Rechtsextremismus in Österreich“ des DÖW, das einen umfassenden Überblick über Ideologien, Organisationen, Netzwerke, Strategien und historische Kontinuitäten der extremen Rechten bietet.

Zu Beginn wurde die Frage diskutiert, warum Rechtsextremismus gegenwärtig an Bedeutung gewinnt und in welchen unterschiedlichen Erscheinungsformen sich diese Entwicklung zeigt. Dabei wurde deutlich, dass Rechtsextremismus nicht ausschließlich mit offen gewalttätigen Aktivitäten auf der Straße gleichzusetzen ist. Auch die zunehmende Normalisierung ideologischer Kampfbegriffe, die Verschiebung gesellschaftlicher Diskursgrenzen und die Wahlerfolge rechtsextremer Parteien tragen dazu bei, demokratische Grundwerte unter Druck zu setzen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Veränderungen innerhalb der rechtsextremen Szene in den vergangenen Jahren. Weidinger beleuchtete historische Kontinuitäten ebenso wie neue Entwicklungen und digitale Mobilisierungsformen. Dabei ging es auch um die Frage, wo und in welcher Form neonazistische Wehrsportertüchtigung heute stattfindet und welche Bedeutung solche Aktivitäten für die Vernetzung und Mobilisierung rechtsextremer Gruppierungen haben.

Besonders ausführlich wurden die unterschiedlichen Facetten der extremen Rechten in Österreich thematisiert. Dazu zählten auch die Erscheinungsformen migrantischen Rechtsextremismus sowie die Verbindungen zwischen politischen Akteur:innen und rechtsextremen Milieus. In diesem Zusammenhang wurde die Rolle der FPÖ und insbesondere die Frage nach den Verbindungen ihrer heutigen Führung zu rechtsextremen Kreisen diskutiert.

Das Handbuch des DÖW bildete dabei eine wichtige Grundlage, um das weit verzweigte und vielschichtige rechtsrechte Lager in Österreich besser einzuordnen. Es versammelt wissenschaftliche Erkenntnisse zu Ideologien, Organisationen, Netzwerken und Strategien und macht damit Wissen zugänglich, das für Politik, Medien, Wissenschaft und Zivilgesellschaft von großer Bedeutung ist.

Im Zentrum des Gesprächs stand schließlich die Frage, wie der schleichenden Normalisierung des Rechtsextremismus entgegengewirkt werden kann. Dabei wurde deutlich, dass eine wirksame Auseinandersetzung nicht nur die Beobachtung extremistischer Organisationen und Aktivitäten erfordert, sondern auch eine kritische Beschäftigung mit gesellschaftlichen Entwicklungen, politischen Diskursen und den Bedingungen, unter denen rechtsextreme Positionen zunehmend Anschlussfähigkeit gewinnen.

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