Kürzlich diskutierten Vertreter:innen des Bundes und der Stadt St. Pölten mit Expert:innen zu diesem wichtigen Thema.
Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit und liegt in der Verantwortung der gesamten Gesellschaft. Dies war der gemeinsame Tenor der Podiumsdiskussion der Fachgruppe „Gesundheit & Soziales“ des BSA Niederösterreich am 8. Jänner 2026 im Rathaus St. Pölten.
Vor dem Hintergrund multipler Krisen – von der Corona-Pandemie über Kriege bis hin zu den Herausforderungen der digitalen Lebenswelt – stehen Kinder, Jugendliche, Familien, Schulen und Politik unter großem Druck. Ein stabiles Umfeld ist jedoch entscheidend für eine gesunde Entwicklung.
Hochkarätig besetztes Podium
Auf dem Podium diskutierten die Psychotherapeutin Dr.in Gertrude Bogyi (Traumazentrum „Die Boje“) und der klinische Psychologe Priv.-Doz. Mag. Dr. Oliver Scheibenbogen gemeinsam mit Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig und St. Pöltens Vizebürgermeister Michael Kögl. Die Diskussion wurde von Dr. Franz Leisch (BSA NÖ) und Gemeinderätin Mirsada Zupani, MA moderiert.
Bürgermeister Matthias Stadler und Landesrätin Eva Prischl (Gesundheit) betonten in ihren Eröffnungsworten die Bedeutung kommunaler und landesweiter Angebote sowie den Ausbau medizinischer und psychologischer Versorgung in Niederösterreich.
Vorausschauende Gesundheitspolitik – vieles wurde bereits erreicht
Durch das seit 2022 bestehende Mental-Health-Projekt „Gesund aus der Krise“ konnten rund 50.000 Kinder und Jugendliche erreicht werden, die eine kostenfreie Zuweisung zu psychologischer und psychotherapeutischer Behandlung bekamen. Eine Behandlung, die ohne das Programm für rund der Hälfte der Betroffenen nicht leistbar gewesen wäre.
Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig weist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung niederschwelliger Angebote, wie beispielsweise jene in Niederösterreich, hin. Durch verschiedene Maßnahmen wie der Früh-, Kinder- und Jugendhilfe steht hier die Stärkung der Erziehungskraft der Familie im Mittelpunkt und unterstützt die Familien dabei, dass sich die Kinder gesund entwickeln und unter optimalen Bedingungen aufwachsen können.
Befund zur gegenwärtigen Lage
Einigkeit bestand darüber, dass sich die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren deutlich verschlechtert hat: Der Anteil psychischer Erkrankungen stieg von rund 20 auf 27 Prozent. Besonders Angststörungen, Depressionen, Essstörungen und problematisches Mediennutzungsverhalten nehmen zu. Studien zeigen zudem einen Zusammenhang zwischen intensiver Handynutzung, Schlafproblemen und depressiven Symptomen. Hier erweist sich vor allem der intensive Konsum von Social Media und Streaming als schädlich und kann bei Kindern unter dem 15. Lebensjahr langfristig zu Depressionen führen. Je jünger ein Kind ist, desto gefährdeter ist es hinsichtlich medizinischer Spätfolgen.
Studien haben ebenso gezeigt, dass die Zukunftsaussichten von Jugendlichen aufgrund der derzeitigen Krisen und Kriege oft von Ängsten und einer negativen Haltung gezeichnet sind. Auch fürchten sie durch eine Spaltung der Gesellschaft einen Demokratieverlust.
Leidenschaftliche Statements zur Verbesserung der Situation
Dr.in Gertrude Bogyi hob die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit Schulen hervor und weist der Bedeutung von Jugendorganisationen einen großen Stellenwert zu. „Diese fördern die Zugehörigkeit und die Selbstwirksamkeit, die Teamfähigkeit und den Gemeinschaftssinn und können so einer möglichen Vereinsamung entgegenwirken.“
Priv. Doz. Mag. Dr. Oliver Scheibenbogen, der im Anton-Proksch-Institut tätig und ein Suchtspezialist ist, meinte hinsichtlich des Anstiegs von Angststörungen, dass „Wege aus der Angst immer mit dem Tätigwerden und der Erfahrung der Selbstwirksamkeit einhergehen.“ Es kann so auch einer Isolation und Vereinsamung, die in den schlimmsten Ausprägungen auch eine Gefahr für suizidales Verhalten darstellt, begegnet werden.
„Die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen ist das Fundament und gleichzeitig die Basis für eine starke und zukunftsfähige Gesellschaft. Es gibt nicht DIE Kinder und DIE Jugendlichen und nicht die EINE Lebenswelt, in der sie sich bewegen und leben. Man muss sich auf die einzelnen Lebenswelten einlassen und dafür konkrete Angebote schnüren“, meint Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig. Sie sprach sich für den flächendeckenden Ausbau solcher Angebote aus und auch für eine Regulierung des Zugangs zu Internet und Social Media.
Vizebürgermeister Michael Kögl richtete schließlich einen Appell an die Anwesenden: „Respekt und Wertschätzung sind in einer Gesellschaft sehr wichtig und ich sehe daher auch die Gesellschaft als Ganzes in der Verantwortung. Wie wir alle miteinander umgehen, wirkt auf Aufwachsende zurück. Durch gesamtgesellschaftliche Maßnahmen kann so die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wesentlich erleichtert und gefördert werden. Kinder sind nicht unsere Zukunft, sondern sie sind unsere Gegenwart. Das dürfen wir nie vergessen!“

